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Schwerpunktthema:
Vermeiden von Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen
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2-2006
Sehr geehrte Damen und Herren,

bestimmt sind Sie schon einmal bei Glatteis ausgerutscht. Oder Sie sind plötzlich ins Stolpern gekommen, z.B. über eine Türschwelle oder einen Pflasterstein.

Glücklicherweise bleibt es meist beim Schrecken, der einem in die Knochen fährt.

Solche glimpflich ausgehenden Erfahrungen verführen jedoch dazu, das Risiko von Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen am Arbeitsplatz zu unterschätzen. Ein verhängnisvoller Irrtum! Das wollen wir Ihnen anhand einiger Zahlen aus der Arbeitsunfallstatistik klar machen.

Um Ihnen beim Vermeiden solcher Unfälle am Arbeitsplatz zu helfen, listen wir anschließend die häufigsten Ursachen solcher Unfälle auf und gehen speziell auf Fußböden bzw. Bodenbeläge ein.

Schwerpunktthema
Vermeiden von Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen

Warnzeichen "Stolpergefahr"
1. Zahlen belegen:
Eine unterschätzte Unfallart

Das Risiko von Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen (SRS-Unfälle) wird offensichtlich unterschätzt. Sonst gäbe es nicht so viele.

Erschreckende Zahlen hierfür bietet die Arbeitsunfallstatistik 2003 der Berufsgenossenschaften.

Die differenzierten Zahlen zeigen außerdem, wo besondere Vorsicht geboten ist.



1.1. Allgemein. Jeder 5.Arbeitsunfall wurde 2003 als Folge von Stolpern, Rutschen oder Stürzen registriert, also als SRS-Unfall:

. Arbeitsunfälle
Stolper-, Rutsch-
und Sturzunfälle
181.409
Insgesamt 839.663

Anmerkung:
Gezählt sind hier und im Folgenden meldepflichtige Arbeitsunfälle (mehr als 3 Tagen Arbeitsunfähigkeit) bei betrieblicher Tätigkeit, d.h. ohne Straßenverkehrs- und Dienstwegeunfälle.


1.2. Geschlechtsspezifisch. Frauen sind überdurchschnittlich stark von SRS-Unfällen betroffen:

. Arbeitsunfälle Stolper-, Rutsch-
und Sturzunfälle
Anzahl Anteil
Männer 671.462 123.621 18 %
Frauen 168.201 57.788 34 %


1.3. Wirtschaftszweige. Über die Hälfte aller SRS-Unfälle konzentriert sich auf die drei Wirtschaftszweige Handel und Verwaltung, Bau sowie Metall:

. Anteil an allen
Stolper-, Rutsch-
und Sturzunfällen
1. Handel und Verwaltung 32 %
2. Bau 16 %
3. Metall 12 %


1.4. Innen-/Außenbereich. Der höhere Anteil an SRS-Unfällen ereignet sich bei Arbeitsplätzen im Innenbereich:

. Anteil an allen
Stolper-, Rutsch-
und Sturzunfällen
Innenbereich 54 %
Außenbereich 32 %
nicht eindeutig
abgrenzbar
14 %
Untertagebereiche > 1 %


1.5. Unfallstelle. Kritische Bereiche für SRS-Unfälle sind besonders Treppen und Baustellen:

. Anteil an allen
Stolper-, Rutsch-
und Sturzunfällen
Anzahl Anteil
Treppe, Leitergang 24.425 13 %
Baustellenbereiche 19.485 11 %
Krankenzimmer, Pflegebereich 14.116 8 %
Be- und Entladestelle von LKW,
Gabelstapler usw.
6.079 3 %
Lagergebäude. Lagerhallen 6.112 3 %
Kundenraum, Verkaufsraum 3.765 2 %
Büroraum 2.922 2 %
Übrige Bereiche 104.504 65 %


Dank der Präventionskampagne "Aktion: Sicherer Auftritt" der Berufsgenossenschaften sinken diese Unfallzahlen inzwischen (mehr Informationen).

Womit gezeigt ist:
Sie können etwas gegen Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle tun!

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2. Aus Fehlern lernen: Ursachen

Am besten lernt man aus Fehlern, ob nun aus eigenen oder aus fremden. Machen Sie sich diese Erkenntnis auch für das Vermeiden von Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen (SRS-Unfälle) zu Nutze.

Der Report "Entstehung von Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen" der Berufsgenossenschaften listet ausführlich auf, welche Ursachen zu SRS-Unfällen geführt haben.

Nutzen Sie die folgende Liste der Ursachen von SRS-Unfällen gleich doppelt:

  • Als Checkliste: Hand aufs Herz, gibt es das auch bei Ihnen / tun Sie das auch? Ändern Sie es!

  • Als Denkanstoß: Fallen Ihnen weitere Fehler ein, die es zu vermeiden gilt?
1. Technische und organisatorische Ursachen
  • Fußböden
    • Fußböden aus sehr glattem Material
    • Ungeeignete Bodenbeläge
    • benachbarte Böden / Bodenbeläge mit unterschiedlicher Rutschhemmung
    • verschmutzte Böden
    • partielle Verschmutzungen (schlimmer als permanente)
    • ausgelaufene Flüssigkeiten
    • Glätte durch Regen, Eis, Schnee
    • Höhenunterschiede
    • Leicht geneigte Böden
    • Unebene Böden
    • Stolperstellen (Kanten, Türschwellen, niedrige Stufen)
    • Stolperfallen (Schläuche, Kabel, Leitungen)
    • Beschädigte Böden / Bodenbeläge (Risse, Löcher)
    • abgestellte, herumliegende Gegenstände

  • Beleuchtung
    • zu dunkel
    • diffuses Licht (läßt Konturen verschwimmen)
    • blendende Beleuchtung
    • ungünstig platzierte Lichtschalter
    • schlecht gewartete Bewegungsmelder

  • Schuhe
    • falsche Schuhe (zu hohe Absätze, ohne sicheren Halt)
    • zu geringe Rutschhemmung der Schuhsohle
    • abgelaufene Profile
    • nicht sicher befestigte Schuhe
    • Verschmutzungen (mindern die Rutschhemmung)

  • Reinigung
    • falsche oder falsch dosierte Reinigungs-/Pflegemittel
    • unzureichende Reinigung
    • Restfeuchtigkeit nach der Reinigung
    • Reinigung während der (Haupt-)Arbeitszeit

  • Sonstige Organisation
    • Fehlende Hinweise auf Stolper-, Rutsch- oder Sturzgefahr
    • Mangelhafte Unterweisung (Gefahren, Ordnung und Sauberkeit)
  • Treppen
    • fehlende oder falsch angebrachte Handläufe
    • aufeinander folgende Stufen mit unterschiedlicher Höhe
    • zu kurze Auftritte
    • Stolperkanten durch Trittleisten, Winkelkanten, Beschichtungen
    • lose Bodenbeläge
    • beschädigte / abgenutzte Stufenkanten
    • abgestellte, herumliegende Gegenstände
    • Zwischenpodeste bei Treppen (über 50 % der Unfälle geschehen am Treppenende, cirka 30 % am Treppenanfang)

2. Personenbezogene Ursachen

    • keine ausreichende Sehkraft
    • Gleichgewichtsstörungen
    • mangelnde Aufmerksamkeit (durch Ärger, Gedanken, ein Gespräch, optische Eindrücke, Lesen während des Gehens, Müdigkeit)
    • zu große Eile, zu hastig
    • Nichtbenutzen von Handläufen
    • Transportieren von Gegenständen, die die Sicht verhindern
    • beidhändiger Transport von Lasten
    • mangelhafte Unterweisung
    • Missbrauch von Alkohol, Tabletten oder Drogen
    • falsche Gehgewohnheiten (schlurfen, zu lange oder zu kurze Schritte)
    • man ist sich zu bequem, Stolperfallen (Schläuche, Kabel, herumliegende Gegenstände) zu beseitigen
    • Tragen von unzweckmäßigem Schuhwerk
    • zu lange Schnürsenkel
    • widriges Begehen von gesperrten Bereichen

Noch ein Tipp:

Bereits fertig zum Einsatz in der Praxis gibt es die Checkliste "SRS-CHECK": Einfach herunterladen, ausdrucken und regelmäßig nutzen!

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3. Fußböden



Antirutschbelag "Rutschgefahr"

Vorschriften

Zur Verhütung von Stolper- und Rutschunfällen stellt der Gesetzgeber einige grundlegende Forderungen an Fußböden in Arbeitstätten.

Hier die drei wichtigsten Textpassagen, die Sie kennen sollten:

Aus der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV):

Anhang zu § 3, Abschnitt 1.6

(2) Die Fußböden der Räume dürfen keine Unebenheiten, Löcher, Stolperstellen oder gefährlichen Schrägen aufweisen. Sie müssen gegen Verrutschen gesichert, tragfähig, trittsicher und rutschhemmend sein.


Die Arbeitsstätten-Richtlinie (ASR) 8/1 fügt hinzu:

1.1 Fußbodenstellen, an denen sich Stolper- und Sturzgefahren durch bauliche oder technische Maßnahmen nicht vermeiden lassen, sind durch Gelb-Schwarz-Kennzeichnung...hervorzuheben oder durch andere Schutzmaßnahmen...zu sichern.

1.2 Gegen Ausgleiten sind zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich, wenn durch Wasser, Eis, Fett, Öl oder andere Stoffe eine erhöhte Rutschgefahr besteht. Als Schutzmaßnahme kommt insbesondere ein geeigneter Fußbodenbelag in Frage (...).

Anmerkung:
Die Arbeitsstätten-Richtlinien gelten laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zunächst fort, bis sie durch Technische Regeln ersetzt sind.


Bewertung der Rutschhemmung

Wie stark ein Fußbodenbelag rutschhemmend ist, wird mit dem sogenannten R-Wert nach DIN 51130 angegeben.

Es gibt fünf Bewertunggruppen: R 9 bis R 13, wobei
R 9 die geringste Rutschhemmung bezeichnet und
R 13 die höchste.

Welchen R-Wert der Fußbodenbelag für Ihren Arbeitsplatz besitzen muss, finden Sie in einer Tabelle im Anhang 1 der BGR 181.

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4. Links zum Weiterlesen

Möchten Sie mehr wissen? Haben Sie spezielle Fragen?

Hier finden Sie Links zu einer Reihe von Texten rund um das Vermeiden von Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen, einschließlich der schon genannten Texte:

Zur Inhaltsübersicht

Regelmäßige Informationen:
Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin

1. Neue Technische Regeln kommen

Am 28. April 2006 hat der Ausschuss für Betriebssicherheit weitere Technische Regeln verabschiedet, die die Betriebssicherheitsverordnung konkretisieren.

Lesen Sie hierzu den Beitrag "Aktuelles aus dem Technischen Regelwerk für Betriebssicherheit" der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein.

Alle bereits veröffentlichten Technischen Regeln können Sie bei der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) als pdf-Datei ansehen, drucken und herunterladen.



Rettungszeichen "Erste Hilfe"


2. Erste Hilfe - Reanimation

Im November 2005 gab das International Committee On Resuscitation (ILCOR) neue Erkenntnisse zur Reanimation bekannt.

Eine Arbeitsgruppe der Bundesärztekammer hat nun die wesentlichen Änderungen bei der Reanimation im Erwachsenen- und Kindesalter zusammengestellt:

Eckpunkte der Bundesärztekammer für die Reanimation 2006



3. Gefahrstoffliste 2006

Das Berufsgenossenschaftliche Institut für Arbeitsschutz (BGIA) hat die
Gefahrstoffliste 2006 veröffentlicht. Diese Version aktualisiert die Gefahrstoffliste 2005.

Die Gefahrstoffliste beinhaltet:

  • Kennzeichnungen für gefährliche Stoffe und Zubereitung gemäß EG-Richtlinie 67/548/EWG
  • die krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Stoffe der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 905
  • die Luftgrenzwerte der TRGS 900
  • die Biologischen Arbeitsplatztoleranzwerte (BAT) der TRGS 903
  • Hinweise u.a.
    • zu Messverfahren (DFG, BGI 505, BGIA-Arbeitsmappe, HSE, NIOSH, OSHA)
    • zur Arbeitsmedizin
    • auf stoffbezogene Regelungen in der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), der Chemikalien-Verbotsverordnung (ChemVerbotsV), den TRGSs sowie den
      BG-Regelungen

Warnzeichen
"Gefährliche elektrische Spannung"
4. Sicherer Umgang mit Elektrizität

Mit einer gemeinsamen Erklärung weisen Sicherheits- und Verbraucherschutzexperten aus Politik und Wirtschaft sowie die Verbände der Elektrotechnik auf Mindestanforderungen zum sicheren Umgang mit Elektrizität hin:

Gemeinsame Erklärung zum sicheren Umgang mit Elektrizität



5. Neue BG-Regeln

Von den Berufsgenossenschaften wurden folgende BG-Regeln neu veröffentlicht bzw. überarbeitet:

6. Elektronischer Kurs Arbeitsschutz (EDFORSA)

Unter dem Titel EDFORSA (EDucation FOR SAfety) haben internationale Experten einen
Elektronischen Kurs "Arbeits- und Gesundheitsschutz" entwickelt.

Die deutschsprachige Fassung wird kostenlos online über das
Berufsgenossenschaftliche Institut Arbeit und Gesundheit (BGAG) zur Verfügung gestellt.

Der Kurs richtet sich an:

  • die allgemeine Öffentlichkeit
    (Angestellte in Unternehmen, Privatpersonen, Gewerkschaften, nichtstaatliche Organisationen sowie interessierte Personen im Allgemeinen)

  • Personen mit gewisser rechtlich geforderter Sicherheitsverantwortung
    (z.B. Besitzer/Arbeitgeber kleiner und mittelgroßer Unternehmen, Sicherheitsbeauftragte, Vorarbeiter, Abteilungsleiter, Meister)

  • Experten für Arbeits- und Gesundheitsschutz
    (z.B. Fachkräfte für Arbeits- und Gesundheitsschutz, Sicherheitsingenieure, der Arbeits- und Gesundheitsschutz in Großbetrieben oder in der Verwaltung)

Der Kurs besteht aus fünf Modulen, die jeweils in zwei Lernlevel für Anfänger und Fortgeschrittene aufgeteilt sind und mit einer Testrubrik abschließen:

  1. Arbeitsschutz in Unternehmen
  2. Sicherheit technischer Anlagen
  3. Gesundheitsschutz und Arbeitshygiene
  4. Sicherheitsmanagement und Notfallplanung
  5. Notfallvorsorge


7. Neue Internet-Portale

Zwei neue Internet-Portale bieten umfangreiche Informationen zu den Themen Sicherheitsdatenblatt und Brandschutz:

Wer in Deutschland gefährliche Chemikalien herstellt, einführt oder in den Verkehr bringt, muss für die Abnehmer ein Sicherheitsdatenblatt erstellen. Und wer berufsmäßig gefährliche Chemikalien benutzt, sollte es verstehen können, um die erforderlichen Maßnahmen für Arbeitssicherheit sowie Gesundheits- und Umweltschutz ergreifen zu können.

In dieser Situation hilft Ihnen das neue Internet-Portal Sicherheitsd@tenblatt-online.




Das Brandschutz-Portal "brandschutz kompakt" gibt Ihnen Ratschläge zu den Themen:

  • Ausrüstung von Arbeitsstätten mit Feuerlöschern
  • Brandschutzerziehung und -unterweisung
  • Feuerlöscher
  • Rauchmelder
  • Räumung von Gebäuden
  • Sicherheitshinweise für unterschiedlichste Situationen

Zum weiteren Angebot gehört u.a. ein umfangreiches Lexikon, das die wichtigsten Begriffe aus dem

Zur Inhaltsübersicht Brandschutz erklärt.
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